Allergien und Intoleranzen

Ein großes Thema unserer Zeit und unsere Supermarkt Regale reagieren auf die zunehmende Empfindlichkeit der Menschen. Laktose und glutenfreie Produkte sind inzwischen nicht mehr wegzudenken.  Auch Reaktionen auf Pollen und andere Allergene werden immer häufiger.

Aber was ist eine Allergie und was ist eine Unverträglichkeit?

Bei einer Allergie erkennt das körpereigene Immunsystem bestimmte Substanzen als "Feind" und reagiert mit einer allergischen Reaktion darauf.

Bei einer Unverträglichkeit, medizinisch: Intoleranz, liegt meist die eingeschränkte Fähigkeit des Darms zugrunde, manche Lebensmittelbestandteile richtig zu verdauen oder abzubauen.

Aber warum ist das so? Pollen und Lebensmittel sind doch ein ganz normaler Bestandteil unserer Umwelt, warum reagieren immer mehr Menschen mit überschießenden Reaktionen?

Hier sollten wir einen Blick auf unser Immunsystem / Immunschwäche werfen.

Die Symptome sind abhängig von der Form der Allergie und unterscheiden sich durch den Ort des Auftretens.

  •  Die Haut reagiert meist mit Rötungen, Ausschlag und Juckreiz.
  •  Der Atemtrakt reagiert mit Niesen, laufender Nase und schlimmstenfalls mit einem Asthmaanfall
  •  Die Augen mit Rötung und Juckreiz
  •  Magen-Darm-Trakt mit Blähbauch, Durchfällen, evtl. Erbrechen, kann aber auch Kopfschmerzen und Müdigkeit hervorrufen. 
  •  Reizdarmsyndrom verursacht durch eine Unverträglichkeit.

Hinter Magen-Darm-Beschwerden können zahlreiche Ursachen stecken – darunter harmlose und ernste. Nicht immer sind Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten schuld. Wer starke, anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden hat, braucht eine gute Diagnostik um schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen.

Es ist sehr wichtig eine Allergie von einer Unverträglichkeit zu unterscheiden.

Wichtige Allergien im Magen-Darm-Trakt sind

Laktoseintoleranz/Unverträglichkeit

Zirka 15 Prozent der Deutschen vertragen nur kleine Mengen Milchzucker, auch als Laktose bezeichnet. Der Grund: ein Enzymmangel. Damit der Milchzucker verwertet werden kann, muss er im Darm aufgespalten werden. Das geschieht durch das Enzym Laktase. Wird zu wenig davon gebildet oder wirkt es nicht ausreichend, kann weniger Laktose abgebaut werden. Der Zucker gelangt in den Dickdarm und wird dort von Darmbakterien zerlegt. Dabei kann es unter anderem durch die anfallende Gasbildung zu Blähungen, Durchfall und Bauchgrimmen kommen.

Wenn man dann bedenkt, wie sehr unsere Nahrung auf den gesunden Aspekt von Milch und Milchprodukten programmiert ist, kann man nachvollziehen, dass das sensible Ökosystem Darm mit einem Zuviel schnell überlastet ist und reagiert.

Eine Milchzuckerunverträglichkeit lässt sich mit einem Atemtest feststellen. Sollten Sie betroffen sein, ist es wichtig die Ernährung anzupassen und den Darm zu unterstützen.

Fructoseintoleranz Fruchtzuckerunverträglichkeit

Fruchtzucker, auch Fruktose genannt, kommt natürlicherweise in Obst vor und verleiht ihm seine Süße. Aus dem Darm wird der Zucker über ein Transporteiweiß ins Blut geschleust. Die Menge, die der Transporter auf einmal befördern kann, ist begrenzt – deshalb verträgt jeder Mensch Fruchtzucker nur in Maßen. Vermutlich funktioniert die Fruktose-Schleuse bei etwa einem Drittel der Deutschen allerdings nur eingeschränkt, weshalb sie schon auf kleinere Mengen der Fruchtsüße mit Beschwerden reagieren.

Durch die gleichzeitige  Aufnahme von Zuckeralkoholen wie Sorbitol, die beispielsweise in Diät-, Light- und "zuckerfreien" Produkten wie Bonbons und Kaugummis vorkommen, wird die Verträglichkeit von Fruktose weiter verschlechtert, sodass sich die Beschwerden verstärken können.

Die Diagnose erfolgt über einen Atemtest. Steht die Diagnose fest, sollten Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten anpassen und natürlich Ihren Darm entlasten.

Glutensensibilität

Gluten ist ein Klebereiweiß, das u.a. in Weizen, Roggen, Gerste oder Dinkel vorkommt.

Neue Untersuchungen haben gezeigt, dass einige Menschen auf Weizen mit Beschwerden reagieren, dies ist aber keine Zöliakie, sondern ein relativ neues Krankheitsbild.

In den Fokus sind hier in den letzten Jahren die sogenannten Amylase-Trypsin-Inhibitoren, kurz: ATI, gerückt. Das sind Eiweiße, die in glutenhaltigem Getreide vorkommen, also zum Beispiel Weizen, Dinkel und Roggen. ATIs docken vermutlich an bestimmten Stellen in der Darmschleimhaut an, was wiederum das Immunsystem aktiviert und bei manchen Menschen Probleme bereitet. Sie ähneln den Beschwerden einer Glutenunverträglichkeit, sind allerdings nicht so ausgeprägt und betreffen häufig den Verdauungstrakt und verursachen ein Völlegefühl, Übelkeit und Bauschmerzen, aber auch ganz andere Organe können reagieren, manchmal erst Stunden oder Tage nach dem Verzehr.

  •  Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Durchfall, Verstopfung
  •  Übelkeit
  •  Knochen- und Gelenksschmerzen
  •  eingerissene Mundwinkel
  •  Migräne, Kopfschmerzen
  •  Menstruationsstörungen
  •  Muskelschwäche und –abbau
  •  Hautekzeme
  •  Gleichgewichtsstörungen
  •  Unerklärliche Gewichtsschwankungen
  •  Depressive Verstimmungen
  •  Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen

Glutenunverträglichkeit  (Zöliakie) eigentlich ein Sonderfall

Sie ist weder eine Allergie noch eine klassische Unverträglichkeit, auch wenn sie so bezeichnet wird.

Durch das Klebeeiweiß des Weizens ist die Darmschleimhaut permanent entzündet. Denn das körpereigene Abwehrsystem sieht Gluten als Feind an und löst eine Immunreaktion in der Darmschleimhaut aus.  Zöliakie führt häufig zu einem Mangel an bestimmten Nährstoffen, da diese nur noch sehr eingeschränkt aufgenommen werden können.

Die Krankheit führt typischerweise zu Fettstühlen, Durchfall, Gewichtsverlust und Wassereinlagerungen im Gewebe, sogenannten Eiweißmangelödemen. Sie kann ebenfalls einen Vitaminmangel, Blutarmut, Osteoporose, eine Depression sowie Gelenk- und Hautbeschwerden auslösen, teilweise aber auch kaum Beschwerden bereiten. Steht die Diagnose fest, muss der Patient oder die Patientin konsequent auf das Klebereiweiß Gluten verzichten. Es kommt unter anderem in Getreide wie Weizen, Dinkel und Roggen vor und in sehr vielen verarbeiteten Lebensmitteln.

Histaminintoleranz

Nur ca. ein Prozent der Bevölkerung sind von einer Histaminintoleranz betroffen, allerdings ist die Dunkelziffer groß, da sie oft nicht erkannt wird. Der Körper ist bei diesen Menschen nicht in der Lage, das über die Nahrung aufgenommene Histamin vollständig abzubauen. Das führt zu einem erhöhten Histaminspiegel im Blut, der scheinbar allergische Reaktionen auslöst - die jedoch keine richtigen allergischen Reaktionen sind. Medizinisch gesehen ist die Histaminintoleranz keine Allergie und keine Nahrungsmittelunverträglichkeit, sondern eine Abbaustörung oder Pseudoallergie.

Die Enzyme Diaminoxidase (DAO) und Histamin-N-Methyltransferase (HNMT) bauen das Histamin im menschlichen Organismus ab. Es wird vermutet, dass die Ursache für eine Histaminintoleranz zum einen in einem Mangel an diesen Enzymen besteht, d.h. der Körper produziert zu wenig Enzyme. Eine weitere Ursache kann eine mangelnder Enzymaktivität sein, d.h. der Körper produziert ausreichend Enzyme, die jedoch nicht wirksam sind. Generell ist die Histaminunintoleranz noch wenig erforscht.

Nach dem Verzehr von histaminhaltigen Nahrungsmitteln treten häufig Beschwerden gleiche oder ähnliche Beschwerden wie bei einer Allergie oder Unverträglichkeit auf.

Was ist eigentlich Histamin und wofür ist es gut?

Histamin gehört zu den biogenen Aminen. Es entsteht als Abbauprodukt aus der Aminosäure Histidin, doch auch Bakterien können Histidin zu Histamin abbauen. Histamin wird deswegen auch über die Nahrung aufgenommen, speziell über Lebensmittel, bei deren Reifung oder Zubereitung Bakterien eine Rolle spielen (z.B. reifer Käse, Wein, Sauerkraut).

Histidin, die Vorstufe von Histamin ist an der Synthese von Hämoglobin (Blutfarbstoff) in den roten Blutkörperchen beteiligt und wird für die Bildung von Histamin benötigt, das im Körper viele Funktionen hat. Es trägt beispielsweise zur Kontraktion von Darm, Uterus, Bronchien und Gefäßen bei und spielt eine Rolle bei allergischen Entzündungen. Histidin kann entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Es kann bei entzündlichen Prozessen und Allergien freie Radikale abfangen und unschädlich machen. Histidin trägt zu einem gut funktionierenden Immunsystem bei, es unterstützt die Aktivität der weißen Blutkörperchen
Im Extremfall kann das zu einem anaphylaktischen Schock führen, hierbei kommt es zu einer Erweiterung der Blutgefäße und Flüssigkeit tritt ins Gewebe aus, hierdurch fällt der Blutdruck ab und lebenswichtige Organe können nicht mehr versorgt werden.

Eine Histaminintoleranz kann jegliche Allergie/Unverträglichkeit verschlimmern, eben weil der Abbau des Botenstoffs Histamin gestört ist und der Körper reagiert bei einer Allergie mit der Ausschüttung von Histamin.

Histaminreiche Lebensmittel sind z. B.:

  •  geräuchertes Fleisch oder Wurst
  •  Innereien,
  •  reifer Käse, (je älter umso mehr)
  •  Sauerkraut
  •  Fischkonserven
  •  Meeresfrüchte
  •  Tomaten
  •  Rotwein
  •  Essig (besonders Balamico) und in Essig eingelegte Gemüse
  •  Schokolade kann als Verstärker wirken.

Auch hier hilft eine angepasste Ernährung und Regeneration des Darms die Beschwerden zu lindern.